Inhalt: PLAYBACK THEATER

in Anlehnung an J. Salas 1993, J. Fox, 1996, D. Feldhendler & I. Mager, 2006)

Playback Theater ist eine weltweit angewendete zeitgenössische Form des interaktiven Theaters ohne Textvorlagen,das sich im sozialen Dialog mit den persönlichen Alltagserfahrungen Einzelner und Gruppen in ihren jeweiligen Lebenswelten auseinandersetzt.

Es ist für Menschen aller Altersstufen und sozialer Gruppen geeignet, die aus unterschiedlichen Anlässen zum Austausch miteinander zusammenkommen.

Sie erzählen ihre Erlebnisse und Erfahrungen und können sie dann auf der Bühne als spontane künstlerisch gestaltete Szene anschauen.

Playback Theater ist dabei mehr als bloße Unterhaltung, es stellt eine Struktur und ein Ritual für den sozialen Dialog bereit, für die soziale und künstlerische Kommunikation zwischen gesellschaftlichen Gruppen, mit der die Geschichten hinter den Geschichten, die verbindenden Erfahrungen für alle sichtbar und erlebbar werden.

J.Fox, Seminar « Die Regeln des Playback Theaters », Frankfurt, 2002)
Ursprünge und Vision des Playback Theaters

Playback Theater wurde 1975 von Jonathan Fox, seiner Lebenspartnerin Jo Salas und der ihrer erste Playback Theater Gruppe in den USA (New York State) gegründet
Nach J. Fox (1981, 1996, 2004) und J. Salas (1983, 1996) hat Playback Theater zentrale Aspekte:
Playback Theater ist danach

  • soziale Interaktion in einem Theater der Nachbarn statt der Fremden, es dient der Förderung von Zusammenhalt und Verbindung durch Zuwendung, Wertschätzung und gemeinsamen Austausch als einem Ziel menschlichen Lebens
  • ein Weg, die Geschichten von Einzelnen, von Gruppen und von Gesellschaften zu erzählen, in einer Selbstverpflichtung für das Wohl der Gemeinschaft und zur Förderung sozialer Gerechtigkeit
  • getragen von Respekt vor jedem Menschen und seinem Recht, das Zentrum der eigenen Bühne zu sein, die eigene Wahrheit zu erzählen und getragen davon, daß es jede Geschichte ist wert, angehört zu werden
  • getragen vom Recht zu wählen, mit wem man zusammen sein möchte und der Notwendigkeit, Außenstehende zu integrieren
  • Ausdruck spontaner Kreativität als fundamentaler menschlicher Qualität, die jeder Aufführung ihre eigene Qualität von Unvollkommenheit verleiht
  • in der Tradition der alten Erzählkulturen körperorientiert, arbeitet mit Metaphern und rhythmischen Strukturen statt einer Betonung auf Kontext oder Wort
  • ein Ritual, in dem erweiternde, transzendente Erfahrungen möglich sind
  • ein künstlerisch gestaltetes Drama, das mehr ist als reine Unterhaltung sondern ein Weg zu einer tiefgreifenden Art von Heilung
nach J. Fox, 1996)
Prinzipien des Playback Theaters
  • Handlung hat Vorrang vor Worten
  • Einfachheit und Einbeziehung der Umgebung haben Vorrang vor technologischer Grandiosität
  • Kollektivität hat Vorrang vor Individualität und Hierarchie

Playback Theater hat eine große Nähe zum Natürlichen, ist ein Theater der Aktion und der Sinne statt der Worte, ein Theater der Vitalität und Angemessenheit, der Intuition und der Bereitschaft zur Veränderung.

Playback Theater dient dem Unerwarteten als einem dynamischen Lebensstil, dem gemeinschaftlichen Schaffen, dem Kontakt mit dem Publikum mit einem möglichst geringen Aufwand an Kosten und technischer Perfektion.

Bei einer Playback Theater Aufführung ist man ständig mit der herausfordernden Frage konfrontiert, was als nächstes ansteht.

An jeder Verzweigung muss neu entschieden werden, was als nächstes zu tun ist: eine nächste Geschichte spielen? Musik machen? Die Zuschauer zu Kommentaren auffordern? Etwas machen, was wir vorher noch nie getan haben? Zusammenpacken und nach Hause gehen?

Die Momente, in denen das völlig Unerwartete passiert, gehören zu den spannendsten bei Playback Theater Aufführungen.

Wenn die richtige Entscheidung fällt und wenn der kreative Sprung gelingt, durch den der Augenblick sowohl erlebt wie verstanden werden kann, wird eine transzendente Erfahrung gestaltet, in der das Gefühl des Einbezogenseins und der Sinnhaftigkeit Publikum und Darsteller verbindet.

Bildliche Darstellung von Playback Theater

Nach 30 Jahren betrachten die Begründer Jonathan Fox und Jo Salas im Rückblick das Playback Theater als eine gelungene Integration von ästhetischer Erfahrung, sozialer Interaktion und gesellschaftlichem Ritual zur Förderung des zwischenmenschlichen Dialogs.

Damit wird für sie die Vision von einem Theater realisiert, das für die heutige Gesellschaft etwas von der integrativen sozialen Funktion des Geschichtenerzählens und ästhetischer Rituale früherer Zeiten zurückgewinnt.